Werkstatt

Mich inspiriert, dass in Japan die Scherben gebrochener Schalen neu arrangiert und mit Gold gekittet werden. 金継ぎ Kintsugi. Das heißt Goldverbindung. Die Regel, dass sich Geschichten in den Gegenständen wiederfinden müssen und, schöner noch, ihre Spur vergoldet steht. Wenn dies ein Sinnbild meiner Schmuckgestaltung ist, so sind die Schalen für mich Menschen. Deren Geschichten sich in Gegenständen verdichten und durch diese weiter getragen werden.

Menschen, deren Identität ich aufnehme und ausdrücke mit einer Gestaltung, die nicht zuerst äußere Schönheit ausstellen will. Nicht Juwelen produziert, wie sie die junge Audrey Hepburn in Breakfast at Tiffany’s ersteht. Sondern Schmuckstücke, die innerste Gefühle vergegenständlichen.

Die schönsten Erinnerungen und die gesamten Strapazen des Alltags sind gleichsam in ihnen sortiert. Die Kerben im Leben wie das größte Glück zum Andenken aufbewahrt. Aus Innerlichkeiten werden Äußerlichkeiten. Eine Pusteblume auf dem Ring, deren Samen verwehen, Ringe, deren Gesichter sich liebend ineinander schmiegen, der Körper zweier Atome, geformt und gehalten und zu Material geworden, das daran erinnert.

Eine solche Schmuckgestaltung sucht nach Worten, einem Ton, einem Geruch, einer Sensation auf der Haut. Durch die Mittel der Abstraktion und Reduktion, das Ineinan­derfallen von Form und Inhalt und eine künstlerische Ästhetik entsteht Gestaltung, die selbst ein Stück Geschichte ist. Und an deren Prozess Sie Anteil haben: von ersten Bleistiftentwürfen zum Wachsmodell, zum Rohling und dem gefertigten Stück begleiten und inspirieren Sie meine Arbeit.

Seit den späten 90er Jahren arbeite ich in Brandenburgischer Stille, unweit der Havel, an dieser integrativen Form der Schmuckgestaltung. Die SchmuckWerkstatt & Galerie führe ich in zweiter Generation.